Liquiditätskennzahlen und Nettofinanzposition eines Lieferanten oder Kunden
Aktualisiert am
Kurz gesagt: Der Current Ratio teilt das Umlaufvermögen durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten; der Quick Ratio (oder Acid Test) tut dasselbe ohne die Vorräte; die Nettofinanzposition ist die Summe der Finanzschulden abzüglich liquider Mittel und kurzfristig verwertbarer Finanzanlagen. Alle drei lassen sich aus der Bilanz ermitteln. Es gibt keinen richtigen Wert für alle: Entscheidend ist der Vergleich über die Zeit.
Die drei Formeln
| Kennzahl | Formel | Was sie misst |
|---|---|---|
| Current Ratio (kurzfristige Liquiditätskennzahl) | Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten | Ob die Vermögenswerte, die binnen eines Jahres zu Geld werden, die Schulden decken, die binnen eines Jahres fällig werden |
| Quick Ratio, oder Acid Test | (Sofort verfügbare Mittel + kurzfristig realisierbare Mittel) / kurzfristige Verbindlichkeiten, also Umlaufvermögen ohne Vorräte | Dieselbe Deckung, ohne auf den Verkauf der Vorräte zu zählen |
| Nettofinanzposition (PFN) | Finanzschulden kurz-, mittel- und langfristig - liquide Mittel - kurzfristig verwertbare Finanzanlagen | Wie viel Finanzschulden bleiben, nachdem die verfügbare Liquidität eingesetzt wurde |
Für den Current Ratio gilt die Definition aus dem Glossar von Borsa Italiana; für den Quick Ratio die aus dem Glossar von Altroconsumo, das ihn auch Acid Test nennt. Für die Nettofinanzposition warnt ein Dokument der Fondazione Nazionale dei Commercialisti (Repaci, 2015), dass weder die nationalen Rechnungslegungsgrundsätze noch die IAS/IFRS ihre Berechnungsmethode festlegen und die Definition alles andere als eindeutig ist. Auch das Vorzeichen hängt davon ab, wer sie berechnet: Mit der obigen Formel zeigt eine positive Zahl eine Nettoverschuldung. Wenn Sie eine von anderen berechnete PFN lesen, prüfen Sie immer, welche Posten einbezogen wurden.
Wo man die Posten in der Bilanz findet (Art. 2424 c.c.)
Das Schema der Bilanz ist durch Art. 2424 c.c. festgelegt. Dies ist eine einfache und vorsichtige Zuordnung der benötigten Posten; die Rechnungsabgrenzungsposten sind ausgeschlossen.
| Bestandteil | Posten des Art. 2424 |
|---|---|
| Vorräte | Aktiva C.I |
| Kurzfristige Forderungen | Aktiva C.II, abzüglich der Beträge, die nach dem folgenden Geschäftsjahr fällig sind und gesondert anzugeben sind |
| Nicht anlagewirksame Finanzanlagen | Aktiva C.III |
| Liquide Mittel | Aktiva C.IV (Bankguthaben und Postguthaben, Schecks, Bargeld und Wertsachen in der Kasse) |
| Kurzfristige Verbindlichkeiten | Passiva D (Verbindlichkeiten), abzüglich der Beträge, die nach dem folgenden Geschäftsjahr fällig sind |
| Finanzschulden | Passiva D.1 Anleihen, D.2 Wandelanleihen, D.3 Gesellschafterdarlehen, D.4 Verbindlichkeiten gegenüber Banken, D.5 Verbindlichkeiten gegenüber sonstigen Geldgebern |
Also: Umlaufvermögen = C.I + C.II kurzfristig + C.III + C.IV; für den Quick Ratio entfällt C.I. Die PFN ist D.1 + D.2 + D.3 + D.4 + D.5 abzüglich C.IV und C.III.
Achtung beim verkürzten Jahresabschluss. Die verkürzte Bilanz weist nur die Posten mit Großbuchstaben und römischen Ziffern aus (Art. 2435-bis c.c.). Current Ratio und Quick Ratio lassen sich trotzdem berechnen, denn C.I, C.II, C.III, C.IV und der Teil der Verbindlichkeiten nach dem folgenden Geschäftsjahr sind enthalten. Die PFN nicht: Die Passiva zeigt nur die Gesamtverbindlichkeiten, ohne Banken, Lieferanten und Fiskus zu trennen. Wenn der Anhang die Aufschlüsselung der Schulden nach Art enthält, nutzen Sie sie, sonst fragen Sie danach. Siehe den Ratgeber zum verkürzten Jahresabschluss und dem von Kleinstunternehmen.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Beispiel mit fiktiven Zahlen: ein Lieferant mit ordentlichem Jahresabschluss.
| Posten (Beispiel) | Euro |
|---|---|
| Vorräte (C.I) | 300.000 |
| Kurzfristige Forderungen (C.II) | 250.000 |
| Liquide Mittel (C.IV) | 50.000 |
| Umlaufvermögen | 600.000 |
| Kurzfristig fällige Verbindlichkeiten (D): 150.000 Banken, 280.000 Lieferanten, 40.000 erhaltene Anzahlungen, 30.000 Steuern und Sonstige | 500.000 |
| Verbindlichkeiten gegenüber Banken insgesamt (D.4), davon 250.000 nach dem folgenden Geschäftsjahr | 400.000 |
| Verbindlichkeiten gegenüber sonstigen Geldgebern (D.5), nach dem folgenden Geschäftsjahr | 50.000 |
| Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern für Darlehen (D.3), nach dem folgenden Geschäftsjahr | 100.000 |
- Current Ratio = 600.000 / 500.000 = 1,20
- Quick Ratio = (600.000 - 300.000) / 500.000 = 0,60
- PFN = (400.000 + 50.000 + 100.000) - 50.000 = 500.000 Nettoschulden
Zusammen gelesen: Zum Abschlussstichtag deckten Forderungen und Liquidität 60 % der Verbindlichkeiten, die innerhalb eines Jahres fällig werden. Um den Rest zu bezahlen, muss der Lieferant seine Vorräte verkaufen, neue Rechnungen einziehen oder anderen Kredit finden. Ein Quick Ratio unter 1 bedeutet genau das; es ist kein Urteil, aber es zeigt, wovon der Lieferant abhängt.
Bei einem Lieferanten, dem Sie eine Anzahlung leisten
Wenn Sie im Voraus zahlen, besteht das Risiko, dass der Lieferant nicht liefert. In diesem Moment sind Sie der Gläubiger, und Ihr Geld fließt in seine Kasse zusammen mit dem der anderen.
- Niedriger Quick Ratio: Der Lieferant verlässt sich auf Vorräte und neue Zahlungseingänge, um seine kurzfristigen Schulden zu begleichen. Ihre Anzahlung könnte dazu dienen, bereits fällige Schulden zu bezahlen, statt Ihren Auftrag auszuführen.
- Hohe erhaltene Anzahlungen (Passiva D.6, nur im ordentlichen Abschluss sichtbar): Wenn sie im Verhältnis zur Liquidität viel ausmachen, finanziert sich der Lieferant über Vorauszahlungen seiner Kunden.
- Steigende PFN von einem Jahr zum nächsten: mehr Nettoschulden gegenüber Banken und Geldgebern, die mit Ihrer Forderung zusammen bezahlt werden müssen. Im Anhang suchen Sie nach Verbindlichkeiten, die durch dingliche Sicherheiten gedeckt sind.
Wenn Sie die Signale nicht überzeugen, können Sie die Anzahlung verringern, an den Fortschritt der Lieferung koppeln oder eine Sicherheit verlangen. Siehe auch den Ratgeber Wie Sie aus dem Jahresabschluss erkennen, ob ein Lieferant vor der Insolvenz steht.
Bei einem Kunden, dem Sie Kredit gewähren
Wenn Sie eine Zahlungsfrist gewähren, wird Ihre Rechnung zu einer Verbindlichkeit des Kunden gegenüber Lieferanten, also zu einer kurzfristigen Verbindlichkeit. Ein Current Ratio, der von Jahr zu Jahr sinkt, bedeutet, dass die kurzfristigen Schulden schneller wachsen als die Vermögenswerte, die sie decken: Ihre Rechnung reiht sich in eine immer längere Schlange ein. Eine hohe PFN zeigt, dass der Kunde auch Banken und Geldgebern etwas schuldet. Um zu prüfen, ob der erwirtschaftete Cashflow den Schuldendienst deckt, nutzen Sie den DSCR und die Marge aus dem Ratgeber zu EBITDA und MOL. Bei den Gesellschafterdarlehen sagt Ihnen der Anhang des ordentlichen Abschlusses, ob sie nachrangig sind, also erst nach den anderen Gläubigern zurückzuzahlen. Um von den Kennzahlen zu einem Kreditbetrag zu kommen, gibt es den Ratgeber Wie man das Handelskreditlimit eines Kunden berechnet.
Keine Zauberschwellen: die Grenzen der Kennzahlen
- Kein universeller Idealwert. Das Glossar von Altroconsumo sagt das ausdrücklich für den Quick Ratio und ergänzt, dass sehr hohe Werte auf schlecht investierte Mittel hinweisen können. Das Glossar von Borsa Italiana nennt keine Schwellen für den Current Ratio. Am nützlichsten ist der Vergleich mit den Vorjahren desselben Unternehmens.
- Sie ist eine Momentaufnahme zum Stichtag. Die Liquidität zum Abschlussstichtag kann sich stark von der heutigen unterscheiden.
- Konstruktionsentscheidungen zählen. Rechnungsabgrenzungen, Gesellschafterdarlehen, Wertpapiere: Wer sie einbezieht und wer nicht, erhält unterschiedliche Zahlen. Verwenden Sie immer dieselbe Formel, wenn Sie zwei Jahre oder zwei Unternehmen vergleichen.
Das vollständige Bild, vom Eigenkapital bis zu den Cashflows, finden Sie im praktischen Ratgeber zum Lesen des Jahresabschlusses eines Kunden oder Lieferanten.
Quellen
- Borsa Italiana, Finanzglossar: Current Ratio (abgerufen am 01.11.2026)
- Altroconsumo, Lexikon: Quick Ratio (abgerufen am 01.11.2026)
- Fondazione Nazionale dei Commercialisti, A. Repaci, Die Nettofinanzposition als alternativer Leistungsindikator (15.09.2015) (abgerufen am 01.11.2026)
- Art. 2424 c.c., Inhalt der Bilanz (Brocardi.it) (abgerufen am 01.11.2026)
- Art. 2435-bis c.c., verkürzter Jahresabschluss (Brocardi.it) (abgerufen am 01.11.2026)
- Art. 2427 c.c., Inhalt des Anhangs (Brocardi.it) (abgerufen am 01.11.2026)
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Liquiditätskennzahlen?
Der Current Ratio ist das Umlaufvermögen geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der Quick Ratio, oder Acid Test, ist dasselbe Verhältnis ohne die Vorräte: sofort verfügbare und kurzfristig realisierbare Mittel geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Posten entnehmen Sie der Bilanz nach Art. 2424 c.c.
Wie berechnet man die Nettofinanzposition?
Finanzschulden kurz-, mittel- und langfristig (Anleihen, Gesellschafterdarlehen, Verbindlichkeiten gegenüber Banken und anderen Geldgebern) abzüglich liquider Mittel und kurzfristig verwertbarer Finanzanlagen. Es gibt keine einheitliche gesetzliche Definition: Prüfen Sie immer, welche Posten einbezogen wurden.
Welchen Wert sollte der Quick Ratio haben?
Es gibt keinen idealen Wert, der für alle gilt. Ein Quick Ratio unter 1 bedeutet, dass Forderungen und Liquidität zum Abschlussstichtag die kurzfristigen Schulden nicht deckten. Am nützlichsten ist der Vergleich mit den Vorjahren desselben Unternehmens.
Kann man die Nettofinanzposition aus einem verkürzten Jahresabschluss berechnen?
Aus der verkürzten Bilanz allein nicht, denn sie zeigt nur die Gesamtverbindlichkeiten, ohne Banken und Lieferanten zu trennen. Current Ratio und Quick Ratio dagegen lassen sich berechnen. Wenn der Anhang die Aufschlüsselung der Schulden enthält, nutzen Sie sie, sonst fragen Sie das Unternehmen.
Willst du eine bestimmte Firma prüfen?
Expositionsgrenze, wirtschaftlich Berechtigter und Warnsignale, in wenigen Minuten.
Unternehmen suchen und Report wählenWeitere Vertiefungen zu diesem Thema
- So lesen Sie den Jahresabschluss eines Kunden oder Lieferanten in 20 Minuten
- EBITDA und MOL eines Kunden: Was sie vor einer Kreditfreigabe aussagen
- DSCR eines Kunden oder Lieferanten: Wie man ihn aus dem Jahresabschluss berechnet
- Kapitalflussrechnung eines Kunden: Welche Cashflows Sie prüfen sollten
- Anhang (nota integrativa): Was Sie prüfen sollten, bevor Sie mit einem Unternehmen arbeiten
- Verkürzter Jahresabschluss und Kleinstunternehmen: Was Sie bei einem Kunden lesen können